Risi/Marvulli gewinnen 6-Tage-Rennen vor Keisse/Bartko
Traumhafter Abschied für Bruno Risi
Herzschlagfinale in der Bremen-Arena. Bruno Risi und Franco Marvulli haben das 46. Bremer 6-Tage-Rennen gewonnen. Spannender konnte es nicht sein und schöner konnte das Abschiedsgeschenk nicht sein, das sich Risi gemeinsam mit seinem Partner Franco Marvulli selbst machte. Dies allerdings mussten sich die beiden Schweizer verdammt hart erarbeiten. Erst in der allerletzten Wertung der finalen Jagd machten sie den Triumph vor der Mannschaft Iljo Keisse/Robert Bartko perfekt.
Rund 25 Minuten vor dem Ede hatten Keisse/Bartko ihre Konkurrenten mit einer so genannten Doublette unter Druck gesetzt, doch Risi und Marvulli konterten. Die Favoriten belauerten sich, sie bekämpften sich und kurz vor der ersten Wertung hatte sich endgültig ein Zweikampf zwischen diesen beiden Teams entwickelt. Leon van Bon/Danny Stam und Vorjahressieger Leif Lampater mit Partner Christian Grasmann konnten dem höllischen Tempo von Risi & Co. nicht mehr folgen.
Vor der alles entscheidenden Wertung trennten die beiden führenden Teams lediglich vier Punkte. Würde das Team Keisse/Bartko den Sprint gewinnen, wäre der Vorsprung dahin. Robert Bartko fuhr als Erster auf die Ziellinie zu, doch Franco „The Marvellous" Marvulli kämpfte sich auf den letzten Metern noch heran und gewann den Sprint schließlich um Reifenbreite.
Für Bruno Risi war es bereits der sechste Sieg in Bremen, Franco Marvulli konnte zum ersten Mal das größte Sechstage-Rennen der Welt gewinnen und war entsprechend glücklich: „Es war ein überwältigendes Gefühl, ich hatte die letzten 60 Runden eine Gänsehaut." Den Satz des Abends jedoch sagte der Zweitplatzierte Robert Bartko: „Das erste Mal bin ich nicht unglücklich, Zweiter geworden zu sein."
Vor der finalen Jagd hatte sich Bremen vor einem der Größten des Sechstagesports aller Zeiten verneigt: Bruno Risi fuhr in Bremen sein letztes Rennen in Deutschland. Es gab stehende Ovationen in der Bremen-Arena für „The Greatest", wie Hallensprecher Christian Stoll den nunmehr 61-fachen Sechstage-Sieger nannte. Es waren verdächtig viele Zuschauer zu sehen, die sich mit dem Handrücken über die Augen wischten.
Alle waren sie gekommen, um Bruno die Ehre zu erweisen: Sein Vater Jacques, sein langjähriger Betreuer Geni Wipfli, sein Harley-Club, sein Fanclub, der mit riesigen Kuhglocken in die Bremen-Arena einzog, und natürlich seine Frau Sandra. Die schönsten Szenen seiner großen Karriere durften sie und die vielen Risi-Fans noch einmal auf dem großen Videowürfel bestaunen.
Vor einigen Jahren hatten seine Freunde aus dem Motorradclub „Gitanos" Risi noch die Ehrenmitgliedschaft verweigert, auch für vielfache Weltmeister machten sie keine Ausnahme. Heute war es so weit. Die Jungs, die in ihren knatternden Maschinen in die Bremen-Arena einfuhren, ehrten ihren Kumpel mit der Mütze des Harley-Clubs. Veranstalter Frank Minder sagte mit belegter Stimme: „Bruno, ich werde Dich unheimlich vermissen." Der Sportliche Leiter Patrick Sercu machte wie üblich keine großen Worte, doch sie kamen von Herzen: „Gratuliere, gratuliere, gratuliere. Und danke für alles."
Ein sichtlich bewegter Bruno Risi dankte den Fans, seinen Freunden und vor allem seiner Frau Sandra. „I love you", hauchte er ins Mikrofon, Du bist das Beste, was mir je passiert ist, ehe er sich zu den Klängen von „You'll never walk alone" auf die Ehrenrunde machte. Seine Fans hatten ein Plakat gebastelt: „Ein großer Profi tritt zurück. Die Erinnerung an einen wahren Champion bleibt. Danke Bruno." Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.
Die Stimme von Veranstalter Frank Minder war nach fast sechs Tagen so gut wie weg, die gute Laune konnte ihm keiner nehmen. „Die Fahrer haben fantastischen Sport geboten, ich bin heilfroh, dass wir keinen einzigen Sturz während des gesamten Rennens hatten. Vier Teams im Finale in der Nullrunde, das hat natürlich auch für Hochspannung gesorgt." Besonders hob Minder jedoch die Jagd am Samstagabend hervor. „Ich bin ja nun schon einige Jahre dabei, aber da ging so dermaßen die Post ab, das habe ich ganz selten gesehen."
Auch ansonsten zog Minder ein durchweg positives Fazit. Die Besucher hätten klar und deutlich „mit den Füßen" abgestimmt, das neue Konzept in der Bremen-Arena sei gut angenommen worden. Topacts wie Boney M, Abba Fever und DJ Ötzi hatten mit ihren Auftritten für sensationelle Stimmung in der Bremen-Arena gesorgt. „Die Zuschauerzahlen liegen in ungefähr bei denen des Vorjahres, damit laufen wir voll gegen den Trend in Deutschland. Aber ganz ehrlich", gestand der Bremer 6-Tage-Boss, „damit hatten wir nicht gerechnet."
Doch Minder wäre nicht Minder, würde er sich nicht jetzt schon überlegen, was er 2011 verbessern könnte. Denn das Rennen eine Zukunft hat, ist so gut wie gesichert. In den Nebenhallen soll im kommenden Jahr ein Programm auf die Beine gestellt werden, das auch ein jüngeres Publikum anspricht. „Wenn ich das Geld dafür hätte, würde ich auch „Tokio Hotel" holen", so Minder. Im Februar finden die ersten Gespräche mit einem potenziellen Großsponsor statt. Die Verhandlungen seien recht weit gediehen. „Es müsste schon mit dem Teufel zugehen, wenn wir nicht auch 2011 ein tolles 6-Tage-Rennen in Bremen auf die Beine stellen können."
Quelle: www.sechs-tage-rennen.de 20/01/2010
